Berliner Leierkastenmann
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5. Lotte, denkst Du noch daran, wie einst unser Glück begann? Ick saßin der Linie vier eines Tages neben dir. Beide sprachen wir keen`nTon, plötzlich hieß es "Endstation"! Doch wir fuhren beede stumm nochmal um Berlin herum. Der Schaffner sagte bloss mal so: `Um zwölfefahr`n wa ins Depot´. 6. Lieber Leierkastenmann, fang noch mal von vorne an deine altenMelodien von der Liebe erstem Jrün; spiel noch mal det alte Stück vondem ersten zarten Glück; sing noch mal die alte Weise, wenn die Herzenlichterloh erglüh`n, fahren auf die Hochzeitsreise mit der Linie vierdurch Groß-Berlin. |
1. Jeder schimpft heut auf Berlin, alle aber loben Wien, überall stehtein Tenor und singt Wiener Lieder vor. Niemals hörte ich in WienLieder aus der Stadt Berlin, doch, ich muss euch einjesteh`n, ich findsie genauso schön; es braucht nicht gleich von Mozart sein, es kannvielleicht auch so zart sein: 2. Lieber Leierkastenmann, fang noch mal von vorne an deine altenMelodien von der schönen Stadt Berlin. Stehst du unten uff`n Hof, wirdmir jleich ums Herz janz doof; noch eenmal so`n junget Blut sein, nocheenmal im Tanz sich zärtlich drehn. Lasst man, Kinder, lasst man jutsein, unsre Stadt Berlin is doch janz schön. |
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3. Mutter blickt so freundlich drein, wickelt ihren Sechser ein, sie,die sonst so spart im Haus, schmeißt det Jeld zum Fenster raus! Untenhebt es uff een Kind mit der Aufschrift-- `Jänzlich blind´! AllenLeuten weit und breit tut det arme Meedchen leid. Ist blind die armeKleene ooch, den Sechser aber sieht se doch. 4. Lieber Leierkastenmann, fang noch mal von vorne an, von dem schönenSpree-Athen, wo sojar die Blinden sehn. Wo der Mann uff eenem Beinabends packt die Krücken ein; plötzlich kann er wieder loofen, denndes Abends ist er auf`n Kien, und da jeht der Junge schwoofen, dafürstammt er schließlich aus Berlin. |
7. Manchmal träum ick nachts davon, ick sitz wieder am Balkon. Obenvom Geranientopp tropft`s den Leuten uff`n Kopp. An der Ecke Nummerdrei liegt die kleene Bäckerei, und der Drahthaarterrier kläfft immernoch vor`t Milchgeschäft. Doch wach ich uff des Morgens kaum, dann sehick, es war nur ein Traum. 8. Lieber Leierkastenmann, lass durch deines Liedes Bann, mich nochmal in Nummer zehn durch die alten Räume jehn, wo ick meine Frau einstnahm, unser erster Junge kam, noch mal in der Küche sitzen, wenn imHerd die Kohlen still verglühn; `n Kopp in beede Hände stützen, unddann lass mich träumen von Berlin.
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