Vor langer Zeit brach
zwischen den Vögeln und den Säugetieren ein heftiger Krieg aus. Während
alle Tiere erbittert gegeneinander kämpften, zog sich die Fledermaus in
einen hohlen Baum zurück und dachte: "Ich will erst einmal
abwarten, welche Seite gewinnt; denn niemand von den Tieren kennt mich
genau und weiß, wer ich bin. Die einen behaupten, ich sei ein Landtier,
und die anderen sagen, ich sei ein Vogel. Das Beste ist, ich warte das
Ende des Streites ab und schlage mich dann auf die Seite der
Sieger."
Aufmerksam verfolgte sie den erbitterten Kampf zwischen beiden Heeren.
Auf einmal schien es ihr, als würden die Vögel siegen. Flink flatterte
sie aus ihrem sicheren Versteck und wollte sich schon unter die
gefiederten Krieger mischen, als sie sich plötzlich besann:
"Vorsicht! Nur nichts überstürzen", sagte sie zu sich und
schwirrte zum Baum zurück. "Ich will mich ihnen erst anschließen,
wenn der Kampf endgültig entschieden ist."
Das Kriegsglück schlug um, und die Säugetiere drängten die Soldaten
der Luft mächtig zurück. "Ha! Wie gut, dass ich gewartet
habe!" freute die Fledermaus sich und hüpfte zu den Landtieren.
"Schaut mich an!" rief sie. "Ich gehöre zu euch. Mein
Gebiss ist das eines Raubtieres, mein Gesicht ähnelt dem Affen, und außerdem
säuge ich meine jungen mit Milch. Ich will euch helfen. lasst mich auf
eurer Seite helfen!" Und sie schwor den Säugetieren unbedingte
Treue. Der Affe legte bei seinen Kameraden ein gutes Wort für die
Fledermaus ein, und sie wurde mit Ehren aufgenommen.
Die mutigen Vögel wehrten sich unter der geschickten Führung des
Adlers verbissen gegen ihre Feinde, schließlich wechselte das Glück
auf ihre Seite, und sie gewannen die Schlacht.
Da befiel die Fledermaus eine panische Angst. In ihrer Furcht spürte
sie schon den tödlichen Dolch des Adlers. Eilig floh sie in die Berge,
verbarg sich in einer finsteren Höhle und wagte nicht einmal mit den
Augen zu blinzeln, ob ihr jemand gefolgt war.
Seit dieser Zeit versteckt sich die Fledermaus tagsüber in Ritzen, Löchern
und Höhlen und wagt sich nur des Nachts heraus, wenn die meisten Vögel
schlafen.