Winter

Emanuel Geibel (1815 bis 1884)












Nun weht auf der Heide der scharfe Nordost,
am Vordach hangt der Zapfen aus Eis,
die Tannen schütteln sich rings vor Frost,
und Feld und Kirchhof sind silberweiß.
Im Dorf verschneit liegt jeglicher Pfad,
ein Weg nur führet zur Schenke allein,
und geh ich dort grade des Abend spat,
so tret ich hinein:
O mein Käthchen, mein Mädchen, nun bring mir Wein!

O liebes Käthchen, nun sing mir ein Lied
von der sonnigen, wonnigen Frühlingszeit!
Und wenn erst wieder die Schwalbe zieht,
so sollst du schauen, wie hold sich’s freit.
Und wenn auf’s neu der Winter sich naht,
da schert kein Wind uns von Ost und von West;
am lodernden Herde sitzen wir spat
im traulichen Rest
und küssen uns warm und umschlingen uns fest.