Die Gelbe Rose (Conrad Pfeffel)

„Gib mir, o Mutter“, also bat
einst Florenchen, eine kaum dem Schoße
des Nichts entstiegne weiße Rose,
„gib mir der Schwester Inkarnat!“
„Begnüge, Kind, dich mit der Gabe,
die ich dir angeboren habe,
der Unschuld Farbe schmückt dich ja.“
sprach Mutter Flora sanft. Doch wer bekehret
ein Herz, das von Eifersucht betöret?
Florenchen murrt, sie schmollt. Als Flora sah,
daß sie die Mutterhold mißbrauchte –
„Nun wohl“ rief sie erzürnt und hauchte
sie an:  „So nimm, anstatt des Kleids
der Unschuld, das zu deinem Lose
das was dir gebührt – die Tracht des Neids.“

---  Und so entstand die gelbe Rose!