César Vallejo einer der größten Dichter Lateinamerikas in diesem Jahrhunderts
* 16. März 1892 in Santiago de Chuco, Peru; † 15. April 1938 in Paris, Frankreich) war ein peruanischer Dichter und Schriftsteller


Es gibt im Leben so schwere Schläge ... ich kanns nicht verstehn. Schläge wie Gottes Zorn. Als ob vor ihnen alles, das Treibgut jedes Leids, in den Brunnen der Seele schwemmte ...! Ich kanns nicht verstehn.

 

 

 

 

Es gibt im Leben so schwere Schläge

Es gibt im Leben so schwere Schläge ... ich kanns nicht verstehn.
Schläge wie Gottes Zorn. Als ob vor ihnen alles,
das Treibgut jedes Leids,
in den Brunnen der Seele schwemmte ...! Ich kanns nicht verstehn.

Es kommt selten. Aber es kommt ... sie öffnen tiefe Gräben
im stolzesten Gesicht und auf dem stärksten Rücken.
Vielleicht sind sie die Rosse barbarischer Attilas
oder die schwarzen Boten, die der Tod uns schickt.

Sie sind der tiefe Fall des Christus in unsrer Seele,
eines angebeteten Glaubens, den das Geschick beschimpft.
Diese blutigen Schläge sind das Knistern eines
Brotes, das in der Tür des Ofens uns verbrennt.

Und der Mensch ... so arm ... so arm! Er hebt die Augen
wie einer, der eine Hand auf der Schulter fühlt,
er hebt die irren Augen, und alles, was er gelebt hat
staut sich im Schacht des Blicks wie eine Pfütze von Schuld.

Es gibt im Leben so schwere Schläge ... ich kanns nicht verstehn.  

Schwarzer Stein auf weißem Stein

Ich werde sterben in Paris, mit Wolkenbrüchen,
schon heut erinnre ich mich jenes Tages.
Ich werde sterben in Paris, warum auch nicht,
an einem Donnerstag vielleicht, wie heut, im Herbst.
 
Ein Donnerstag wird sein; denn heut, am Donnerstag,
da ich dies sage, tun mir meine Knochen weh;
noch nie wie heute hab ich mich allein
und meinen Weg erblickt von unserm Ende her.
 
Tot ist César Vallejo. Eingeschlagen
habt ihr auf ihn. Er hat euch nichts getan.
Mit einem Stock gabt ihr ihm Saures, Saures
 
mit einem Tau. Die Donnerstage
sind seine Zeugen, Zeugen seine Knochen,
der Regen, die Verlassenheit, die Strassen ...








 
 
 

JETZT UNTER UNS HIER

Jetzt, unter uns, hier,
komm mit mir, nimm deinen Körper bei der Hand,
wir wollen zusammen nachtessen gehen und einen Augenblick Leben
als Leben zu zweit verbringen, und auch unser Tod soll sein Teil davon haben.
Jetzt, komm mit dir, tu mir den Gefallen und bleibe,
in meinem Namen und im Lichte der Nebelnacht,
in der du deine Seele bei der Hand nimmst
und wir auf Fußspitzen vor uns fliehen.

Komm zu mir, ja sicher! Und zu dir, ja sicher!
Im Gleichschritt, damit wir zwei im ungleichen Schritt
den Abschiedsschritt uns vorführen sehn.
Bis zum nächsten Mal! Bis wir wiederkommen!
Bis wir lesen können, Analphabeten!
Bis zum nächsten Mal. Jetzt müssen wir gehn.  
Was liegt mir an den Gewehren,
hör,
hör zu, was liegt mir an ihnen,
wenn die Kugel schon auf der Höhe meiner Unterschrift kreist?
Was gehen dich die Kugeln an,
wenn der Bauch des Gewehrs schon nach dir riecht?

Noch heute wollen wir
einen Blinden unsern Stern wiegen lassen, und
wenn du anfängst mir vorzusingen, wollen wir weinen.
Heute noch, meine Schöne, im gleichen Schritt
und mit deinem Vertrauen, bis zu dem meine Angst reicht,
wollen wir fort aus uns, zu zweit wir zwei,
bis wir blind sind,
bis
wir weinen vor soviel Rückkehr!

Jetzt,
unter uns, nimm
deine süße Person bei der Hand,
wir wollen zusammen nachtessen gehen und einen Augenblick Leben
als Leben zu zweit verbringen, und auch unser Tod soll sein Teil davon haben.
Jetzt, komm mit dir, tu mir den Gefallen
etwas zu singen
und spiel etwas auf deiner Seele und klatsch den Takt mit der Hand.
Bis zum nächsten Mal! Bis es soweit ist!
Bis wir uns trennen! Jetzt müssen wir gehn.