Zheng Danyi

geboren 1963 in Sichuan/China, lebt und arbeitet in Hongkong/China

Aber ich wollte alles immer noch - für dich. Für dich ein eingestürztes Heim, der Herbst, in allem, was lebt, eine Feder, nach langem Warten hochgeschnellt - nun gelähmt wie eine erschöpfte Peitsche, ein leeres Versprechen, ein Haufen Tabletten, die nicht mehr wirken, - für dich, für dich eine angehaltene Tat, schartige Klingen, vergessener Schmerz. Und dann, und dann noch diese zerbrochene Uhr - mein Herz - heulend, stehen geblieben. Diese Uhr, mein letztes Paradies, nun nimm sie schon! Und wärest du ein Trümmerfeld, eine Hölle, ich habe alles gewollt für dich

Sommerflügel

Wenn aller Sommer dahinrinnt, nur noch ein letzter Tag hier donnert
Wende ich mich nach innen, sehe, wie du mit eingezogenen Flügeln unter
einem schlaffen Hemd über meinen sauberen Boden läufst. Sanfter Abendwind
bringt Kühlung. An einem Ort, wo der Herbst nicht weht

Woher kommst du? Wie ein Feuerball lockst du Metall in meinen Körper
Das funkelt, mal rechts, mal links, und klingt. In der fremden 
Menschenmenge schlagen wir Haken, ziehen Kreise ... Oh, Sommer
Glück überfällt mein Herz, warum nur bringst du mich so sehr zum Schwärmen?

Ja, noch höher, laß uns vom Himmel herunter schauen. Schau dir
die winzigen Herzen dieser Kreaturen an, wie sie umher kriechen. Dort, schau -
Unsere vom Schicksal bestimmte Heimat. Oh, der Sommer läßt die Früchte reifen.
Hinunter! Dort, schau, der Herbstwind rollt über flimmernde Schneeberge

Oh, warum nur bist du nicht der große Traum der Spinnen? Trägst ein Leben lang
Kleider, die nicht passen; oh warum nur bist du nicht der Schmetterling im 
Schmetterling? In deinem warmen Körper fließt Trauer kühl wie Wasser
Heißes wird kalt. Oh, deinem Feuerschein entgegen will ich

Will ich ein Paar Sommerflügel anlegen! Leite mich wie ein Feuerball
Der das vorbei fliegende Licht des Sommertages auffängt. Für ein Lied
Oh, meine Flügel. Sieh, ich erhebe mich vom Boden, fliege, finde
Meine Richtung. Warum liegt in deinem Namen der Mond meines Lebens?

 

Vielleicht ist ja alles egal

Wie viele Ohren der Seele hören das Alter?
Hören die Einsamkeit. Diese einzige, diese allerletzte Freiheit
wurde zerschlagen. Als sie versunken lauschten
auf jenem Gipfel des Glücks
den tiefsten Tiefen riesiger Gewächse

Wie viele Ohren der Seele hören 
jenes feingliedrige Drehen des Zahnrads,
das sich bis in alle Ewigkeit dreht, 
jene nach Wasser lechzenden kraftvollen Zungen,
unablässig wuchernden Blüten und unerschöpflichen lieblichen Wein.

Aber jede Geburt ist eine Rettung
wie ein Festessen, eines nach dem anderen
weil zu viel Terror ist. Weil diese Erde 
wie im Spiel  zurücknimmt, bevor sie erneut gibt
ein altbekanntes Spiel! Bitte sag,
wie viele Ohren hören

den eigenen schweren Atem. Den sanften
Herzschlag der Kinder. Die
in der gestraften, vom Tod zerstörten Atmosphäre
das letzte Lied von der Unschuld anstimmen.  

 

 


Widmung

Für dich: das erbrochene Gold von April und Mai. Für dich: Juli
Das Rad des Teufels, elektrisch geladener Himmel,
Ersticktes Zündelholz. Für dich -
Ein Krummsäbel, eine schiefe Metapher, eine umgeworfene 
Weinflasche, meine letzten paar Reichtümer auch die sind für dich

Juwelen, Gift, eine aufgebrochene Hölle, alles für dich
Und wärst du ein Paradies, ein Mond auf Papier
Auch dann wollte ich es - Für dich. Und wäre es 
Bloß eine Aufschrift, auf die ich wieder reinfalle. Und wäre es
Ein Regenschirm, der nicht schließt, Geld, das ausgegeben ist.

Und wäre es ein Stein, der sich für Jade ausgibt. Ein degenerierter
Fisch, der die Stufen der Hoffnungslosigkeit hochsteigt. Und wäre es
Ein Sack trauriger Kartoffeln, tief begraben in der Zeit.
Und wäre es ein Schlammkahn, der sich ins Meer stürzt, eine Seuche, ein Regenguß
Ein entgleister Zug, der noch schnauft.

Aber ich wollte alles immer noch - für dich. Für dich ein
Eingestürztes Heim, der Herbst, in allem, was lebt,
Eine Feder, nach langem Warten hochgeschnellt - nun gelähmt
Wie eine erschöpfte Peitsche, ein leeres Versprechen
Ein Haufen Tabletten, die nicht mehr wirken, - für dich, für dich eine

Angehaltene Tat, schartige Klingen, 
vergessener Schmerz. Und dann, und dann noch diese
zerbrochene Uhr - mein Herz - heulend, stehen geblieben
Diese Uhr, mein letztes Paradies, nun nimm sie schon!
Und wärest du ein Trümmerfeld, eine Hölle, ich habe alles gewollt für dich.