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Die
Frau herrscht durch Bitten, durch Befehle der Mann. Sie, wenn
sie will - er, wenn er kann.
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Das Gelübde einer Sterbenden
(Auszug
aus dem Roman)
Ich
habe ein einsames und thränenreiches Leben gehabt," sagte sie.
"Dies muß ich Ihnen sagen, damit Sie meine Aengste begreifen. Sie
kennen mich nur als eine Glückliche; ich war in Ihren Vorstellungen
eine Göttin, die aller Paradieseswonnen teilhaftig sein müßte. Ach,
ich bin nur ein armes Weib, das lange Jahre hindurch schweren Kummer zu
tragen hatte. Ich erinnere mich weinend der Freuden meiner Jugend. Eine
wie schöne Kindheit habe ich in meiner Provence verlebt! Dann war ich
auch stolz, wollte den Kampf ums Dasein tapfer bestehen, bin öfter mit
blutendem Herzen aus diesem Kampf hervorgegangen.
Ich
heiratete einen Mann," fuhr sie fort, "den ich nicht auf die
Dauer lieben konnte und der mich bald der Einsamkeit meiner Mädchenzeit
wiedergab. Ich mußte als
meinem Herzen Schweigen gebieten. Mein Mann
nahm die Gewohnheiten seines Junggesellenlebens wieder auf. Ich kam nur
bisweilen bei Tische mit ihm zusammen und wußte, daß sein ganzer
Lebenswandel eine fortwährende Beleidigung meiner Frauenwürde war.
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Sie
sind jetzt noch ein Kind und meine Worte flößen Ihnen Schrecken ein.
Aber als Mann werden Sie sich einst ihrer erinnern und dann werden Sie
inne werden, was einer Frau für Leiden widerfahren können, und was ich
von Ihrer Aufopferungsfähigkeit erwarte."
Sie
haben mein Töchterchen gesehen, meine arme Jeanne, die eben dort
spielte. Sie ist kürzlich sechs Jahr alt geworden und ich gehe von
hier, ohne sie zu kennen, ohne zu wissen, ob sie den Keim des Glücks
oder des Unglücks in sich trägt. Diese Ungewißheit verdoppelt meine
Leiden und macht mir den Tod furchtbar. Denn indem ich das Kind allein
zurücklasse, quält mich der Gedanke, daß es ihr vielleicht gehen wird
wie mir: aber wer weiß, ob sie den Schlägen des Schicksals denselben
Mut entgegensetzen wird, wie ich!"
Ehedem,"
hob sie wieder an, "lebte ich der süßen Hoffnung, daß ich immer
um sie sein, daß ich an dem Glück ihrer Zukunft arbeiten und ihr Herz
"Nun unterweisen würde. Dann, als ich den Tod herannahen fühlte, sah ich
mich nach Jemand um, der an meiner statt diese Rolle bei ihr übernehmen
sollte, aber ich habe Niemanden gefunden. Meine Eltern sind
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Ich
lebte mit meiner Tochter von der Welt abgeschieden in meinen Zimmern,
wie in einem Kloster, und gelobte, daß ich hinfort mein Leben darin
zubringen wollte. Manchmal indessen empörte sich mein ganzes Sein und
es kostete mir viele geheime Seelenqualen, um heiter und glücklich zu
scheinen."
Ich erzähle Ihnen eine traurige
Geschichte," fuhr sie in ihrem sanftesten Tone fort, "und weiß
nicht einmal, ob Sie mich richtig verstehen.
Aber Sie müssen mir verzeihen, denn mein Mund thut sich von selbst auf.
Ich beichte Ihnen wie einem Priester, und ein Priester hat kein Alter,
er ist nur eine Seele, die eine andre anhört.
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tot und wie
hätte ich zu einer Freundin
kommen sollen, bei dem einsiedlerischen
Leben, das ich geführt habe? Mein Mann hat nur noch eine Schwester und
die lebt in einem Taumel von Vergnügen, so daß Jeanne nichts Gutes bei
ihr lernen würde. Was aber meinen Mann selber betrifft, so denke ich
nur mit Schrecken daran, was aus meiner Tochter werden würde, wenn sie
ihm in die Hände fiele. Gerade gegen ihn will ich das Kind
verteidigen."
werden Sie also gemerkt haben, worin Ihre Aufgabe bestehen soll. Wachen
Sie über meine Tochter, seien Sie sozusagen ihr Schutzengel."
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