Boris Pasternak
Boris Leonidowitsch Pasternak (* 29. Januar/10. Februar 1890 in Moskau; † 30. Mai 1960 in Peredelkino bei Moskau)
 war ein russischer Dichter und Schriftsteller.


Wer die Wahrheit liebt und sie sucht, der gehört in keine Marschkolonne, wohin der Marsch auch gehen mag.







Definition der Poesie

Ein Pfiff, jäh anschwellend und dreist,
Eis im Fluß, aneinanderprallend,
Und die Nacht, die das Blatt vereist,
Und Duell zweier Nachtigallen.

Süße Erbse, verwildernd roh,
Und die Tränen des Alls in den Schoten,
Und – von Flöte und Pult – Figaro:
Auf das Beet niederhagelnde Schloßen.

Was der Nacht so erwünscht, zu erjagen
Aus den tiefen Hahnenfußgründen,
Und den Stern bis zur Reuse zu tragen
Auf den zitternden, nassen Händen.

Schwüle – flacher als Bretter im See.
An der Erle verlor sich der Himmel.
Lachen würde den Sternen wohl stehn,
Doch das All hat nicht Ohren noch Stimme.








Der Nobelpreis
Bin am End, ein Tier im Netze.
Fern gibt's Menschen, Freiheit, Licht.
Hinter mir der Lärm der Hetze,
Und nach draußen kann ich nicht.

Finstrer Wald, ein Teich inmitten,
Tannenstamm, gefällt vom Streich.
Jeder Weg ist abgeschnitten.
Komm, was wolle, mir ist's gleich.

Was verbrach ich an Gemeinem,
Ich ein Mörder, ein Popanz?
Ließ die ganze Welt nur weinen
Ob der Schönheit meines Lands.

Doch auch so, schon nah am Sarge,
Glaub ich, eine Zukunft winkt,
Wo die Macht des Tückisch-Argen
Vor dem Geist des Guten sinkt.

Immer näher kommt die Meute.
Andre Schuld liegt noch auf mir:
Meine rechte Hand fehlt heute,
Die Geliebte ist nicht hier.

Mit dem Strick schon um die Kehle
Sei mein letzter Wunsch bekannt:
Daß die Tränen meiner Seele
Abwisch meine rechte Hand