Alexander Sergejewitsch
Puschkin (* 26. Mai/6. Juni 1799 in Moskau; † 29. Januar/10. Februar 1837, Sankt Petersburg) gilt als der bedeutendste russische Dichter und der Begründer der modernen russischen Literatur.


Ja, wer vom Schicksal ausersehen zu einem sturmbewegten Leben, dem darf kein Weib zur Seite stehn, in seinem Kämpfen, seinem Streben.


Der Dichter

Der Dichter bleibt, solang ihn nicht
Apoll zum heilgen Opfer fordert,
Kleinmütig der Welt verpflichtet,
Wird geplagt von eitlen Sorgen;
In kaltem Schlaf verharrt die Seele,
Und seine heilge Leier schweigt,
Noch unter den Geringsten zählt er
Als Allerwenigster vielleicht.

Doch kaum berührt sein feines Ohr
Das Wort, das ihm von Gott gegeben,
Schon schwingt die Seele sich empor,
Ein Adler, neu erwacht zum Leben.
Er bleibt nun fern den irdschen Festen,
Wenn Menschen reden, scheint er taub,
Und vor den hocherhobnen Götzen
Senkt er nicht das stolze Haupt.
Er flüchtet wild und ungebändigt,
Verwirrt dem innren Klang zu lauschen,
Zum öden Wellenschlag der Strände,
Wo Eichenwälder weithin rauschen...

 

Das Echo

Des Tieres Brüllen tief im Wald 

das Horn, das durch die felder schallt,
Gesang des Mädchens, der verhallt-  

auf jeden Ton

weißt du, o Echo, nur zu bald  
die Antwort schon.

Du hörst des wilden Donners Klang,  
hörst wenn der Sturm mit Wellen rang

und aus dem Dorf ein Rufen bang  
herüberweht;

doch echolos bleibt dein Gesang-  
wie du, Poet!